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Man spricht Deutsch im 28. Stock der "Bank of China" in Ningbo
2006-07-30 15:44:10

Ningboer Ehrenbürger Herbert Prömper hatte die Idee. Der Club ist für viele zur zweiten Heimat geworden. Internationale Kontaktstelle.

Ningbo. Im 28. Stock der Bank of China, im Zentrum Ningbos, gibt es einen Raum, der sich sehr von den anderen Büros unterscheidet. An der Wand hängt eine Deutschlandkarte neben fotos mit Deutschen und Chinesen. Auf dem TV-Gerät steht ein Ständer mit einer deutschen und einer chinesischen Flagge. Mitten drin wird rund um einen langen Tisch anregt diskutiert – auf Deutsch!

Es ist das Treffen des deutschen Clubs. Zweimal im Mo at werden hier die letzten Neuigkeiten ausgetauscht, Fragen gestellt und neue Kontakte geknüpft. Vertreten sind alle Altersschichten, vom Studierenden bis hin zum Rentner. Einige chinesische Clubmitglieder waren schon einmal mit dem Austauschprogramm in Aachen, viele treffen hier zum ersten Mal Deutsche, zum Beispiel die in und um Ningbo herum tätigen Experten der zahlreichen Joint-Ventures.

Der Lehrer Chen Yao ist einer der engagiertesten der rund vierzig Mitglieder: "Ich glaube, jeder Chinese in Ningbo, der Deutsch oder Germanistik studiert hat, betrachtet den deutschen Club als seine zweite Heimat, wo es nur Freunde und Freude gibt. Alles was ich gelernt und studiert habe, kann ich hier anwenden. Dort kann ich neue Leute kennenlernen und mit alten Freunden in Verbindung bleiben." Jeden Montag gibt er Anfängern und Fortgeschrittenen einen kostenlosen Sprachkurs in Deutsch.

Die Idee zu diesem Club hatte Herbert Prömper, Ehrenbürger Ningbos, der sich seit 1987 in der Städtepartnerschaft Aachen – Ningbo engagiert: "Ich musste feststellen, dass ein junger Bankkaufmann, der Ende der achtziger Jahre gut Deutsch gesprochen hat, zehn Jahre später lieber Englisch sprach. Auf mein Erstaunen hin hat er mir sein Leid geklapt. Er habe keine Möglichkeit sein Deutsch zu praktizieren. Da dachte ich, da müssen wir was tun."


Fenster nach Aachen
Gesagt, getan. Seit fünf Jahren gibt es in Ningbo eine Gelegenheit zum Sprachaustausch, deutsche Zeitungen, Magazine und Bücher zum Ausleihen. Der deutsche Club ist auch ein Fenster nach Aachen. Anhand von Studienführern, Bildbänden und Lokalzeitungen wie den "Aachener Nachrichten", können sich die Chinesen ein Bild von ihrer Partnerstadt machen. Das ist in Ningbo etwas besonderes, da hier sonst keine deutschen Publikationen erhältlich sind und viele Chinesen bisher auf das Internet angewiesen waren, um etwas über Deutschland zu erfahren. Die "germanophonen" Einwohner Ningbos können sich mit dem deutschen Club glücklich schätzen, denn deutsche Vereine zum Sprachaustausch sind in China eine Seltenheit. Außerdem versteht sich der deutsche Club nicht als kommerzielle Einrichtung – Getränke, Sprachkurs und Zeitungen werden vom deutschen Club finanziert. Er dient mittlerweile auch als "Netzwerkgenerator" für internationale Freundschaften.